Die Tage werden kürzer, das Licht wird grauer, und plötzlich ist es schon um sechs Uhr abends dunkel. Für viele Menschen ist der Herbst einfach eine Jahreszeit wie jede andere. Für andere bringt er eine spürbare Müdigkeit mit sich, eine gedrückte Stimmung, die sich schwer benennen lässt. Herbstblues im Alter zeigt sich oft genau so: schleichend und leicht zu übersehen, bis er zur Gewohnheit wird.

Dieser Effekt kann im höheren Alter stärker ausfallen als in jüngeren Jahren, aus mehreren Gründen gleichzeitig.
Warum der Herbst zusetzt
Weniger Tageslicht bedeutet für den Körper weniger Anreiz, das Hormon Melatonin herunterzufahren, das für Müdigkeit sorgt. Gleichzeitig sinkt die Produktion von Serotonin, das die Stimmung stabil hält. Wer im Sommer noch regelmäßig draußen unterwegs war, verbringt im Herbst oft deutlich mehr Zeit in der Wohnung, und mit weniger Bewegung sinkt auch die Stimmung zusätzlich.
Bei älteren Menschen kommt häufig ein weiterer Punkt hinzu: Der Kreis an Aktivitäten wird im Herbst kleiner. Der Spaziergang im Park, das Gespräch auf der Parkbank mit Nachbarn, der spontane Besuch im Garten, all das fällt weg, wenn es früh dunkel und kalt wird. Aus einer Jahreszeit wird schnell ein Gefühl von Isolation.
Erste Anzeichen erkennen
Typische Anzeichen sind eine Müdigkeit, die auch nach ausreichend Schlaf nicht verschwindet, weniger Appetit oder umgekehrt ein größeres Verlangen nach Süßem, ein Rückzug aus gewohnten Kontakten und eine spürbare Interesselosigkeit an Dingen, die sonst Freude gemacht haben.
Wichtig ist der Unterschied zu einer echten Depression: Der Herbstblues klingt meist mit mehr Licht im Frühjahr von selbst ab. Hält die gedrückte Stimmung über Wochen an oder wird sie stärker, gehört das in ärztliche Hände, nicht in die Kategorie „wird schon vorbeigehen“.
Was tatsächlich hilft
Tageslicht ist der wirksamste Hebel, auch wenn es verlockend ist, bei grauem Himmel einfach drinnen zu bleiben. Schon ein halbstündiger Spaziergang am Vormittag reicht oft aus, um den Hormonhaushalt in Bewegung zu halten. Wer kaum noch rauskommt, kann mit einer Tageslichtlampe nachhelfen, die inzwischen für wenig Geld erhältlich ist.

Soziale Kontakte verlieren im Herbst häufig ihre Selbstverständlichkeit, weil die zufälligen Begegnungen im Freien wegfallen. Es hilft, feste Verabredungen zu treffen statt auf den Zufall zu hoffen, sei es ein wöchentlicher Kaffeetermin, ein Telefonat zu einer festen Uhrzeit oder der Besuch bei den Enkelkindern. Auch eine helle, warme Wohnung mit ausreichend Licht am Abend macht spürbar mehr Stimmung als ein dunkler Raum mit einer einzelnen Lampe in der Ecke.
Wenn Angehörige weiter weg wohnen
Gerade im Herbst und Winter ist es für Kinder oder Enkel, die nicht in der Nähe wohnen, schwerer einzuschätzen, wie es der Mutter oder dem Vater wirklich geht. Ein kurzer Anruf verrät oft weniger, als man denkt, weil die meisten Menschen am Telefon von sich aus sagen, dass alles in Ordnung ist. Wer öfter vorbeischauen kann, merkt Veränderungen in der Stimmung meist zuerst am Zustand der Wohnung: Ist noch aufgeräumt, wird noch gekocht, liegt die Post ungeöffnet herum?
Ein Hausnotruf ersetzt keinen Besuch und kein Gespräch, aber er sorgt für ein Grundgefühl von Sicherheit, das gerade in der dunklen Jahreszeit viel wert ist. Wer weiß, dass im Ernstfall sofort jemand erreichbar ist, muss abends nicht mehr allein mit der Sorge einschlafen, was wäre, wenn etwas passiert.
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Siehe auch: Sturzprävention zu Hause: Stolperfallen erkennen und entschärfen

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